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Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung

Dies ist ein Bericht über einen ganz normalen Arbeitstag im Tierheim

Wir, das ist der Tierschutzerein "Ein Heim für Tiere " e. V., mit ca. 300 Mitgliedern, welcher in der glücklichen Lage ist, ein eigenes Tierheim zu unterhalten. Befinden tun wir uns in einem kleinen Ort Namens Beuern, ca. 30 km südlich von Kassel. morgensUm7-1

Ein eigenes Tierheim bietet vielfache Möglichkeiten in Sachen Tierschutz. So sind wir beispielsweise in der Lage, nicht mehr gewollte oder einfach ausgesetzte Tiere bei uns aufzunehmen und so lange zu betreuen und zu pflegen, bis wir sie in ein neues schönes Zuhause weitervermitteln können. Sehr oft jedoch bereitet uns das eigene Tierheim viel Sorgen und Kopfzerbrechen. Wollen doch schließlich alle "Heimgenossen" versorgt sein, ihre Ansprache haben sowie, wenn erforderlich medizinische Betreuung. Ihre Räumlichkeiten sollen schließlich sauber und ordentlich, ebenso etwas gemütlich und bequem sein. Bei nur drei Tierpflegern in Wechselschicht nicht immer ganz einfach! Ja, wenn da nur nicht die "Sorge mit dem lieben Geld " wäre...

Nun kommen die Tierpfleger, sie sind die guten Seelen des Tierheimes, meistens schon um 7.00 Uhr statt regulär um 8.00 Uhr zur Arbeit, um überhaupt alles zu bewältigen was jeder neue Tag so bringt.

Wird die Tür dann aufgeschlossen, maunzen einem schon die zahlreichen Stubentiger herzzerreißend entgegen und betteln um ihr tägliches Futter. Auch die Hunde, darunter auch einige "Sorgenkinder" mit Handicaps, können es kaum erwarten, dass sich die Zwingertüren nach der langen Nacht endlich wieder öffnen und sie in die Freiläufe dürfen.

Und jetzt heißt es beeilen; Katzen füttern, Zwinger aufräumen, säubern, Medizin verteilen, wo verordnet, schmusen mit den Tigern, Räumlichkeiten neu gestalten, Näpfe spülen und und und.

Auch die Hunde mögen Sauberkeit und Ordnung; also Hunde in die Freiläufe bringen, vorher, nicht vergessen Medizin verteilen, wo verordnet und dann heißt es saubermachen, Körbchen in die richtige Position rücken, Decken auswechseln und alles ab zur Waschmaschine. Bei momentan ca. 30 Hunden , 'weiß Gott' keine leichte Arbeit.

Nagetiere nicht vergessen! Die kleinen Mümmelmänner wollen auch versorgt sein. Frisches Wasser, Heu und Futter sowie für jeden eine Kleinigkeit an Gemüse oder Obst. Und dann heißt es Ställe säubern, schmutziges Streu auf den Kompost, neues Stroh in die Behausungen. Und nicht zuletzt, auch Kleintiere wollen ihre persönlichen Streicheleinheiten.

Ach ja, wäre da nur nicht dieses ständig klingelnde Telefon, was darauf wartet, dass endlich jemand ran geht. Und die Telefonate sind meist leider nicht erfreulich. Wieder jemand, der unbedingt seinen Hund oder Katze loswerden will, egal wie! Kann das Tier dann aus Platzgründen nicht aufgenommen werden, bindet man den Hund später einfach am Zaun des Tierheims an oder schmeißt die Katze im Karton über die Einzäunung. Und schon ist das "Problem" gelöst.

Auch die Sorgen, Fragen und Nöte von Tierfreunden oder sogenannten, wollen angehört und beantwortet sein.

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Und ist man dann mitten bei der Arbeit, klingelt es noch an der Pforte. Also, alles stehen und liegen lassen und nachsehen was da so kommt. Vielleicht jemand, der seinen Hund oder die Katze abgeben will oder muß, vielleicht wurde auch ein Tier gefunden, welches nun ins Tierheim muß. Oder möchte einfach jemand Sachspenden wie Decken oder Körbchen vorbeibringen? Man wird es gleich erfahren.

Es war eine junge Dame, die eine schreckliche Entdeckung während eines Spazierganges gemacht hat. Sie fand einen zugeklebten Pappkarton, in dem sich ein erbärmlich schreiendes Kätzchen befand. Die junge Katze sollte sterben und jemand hat sie kurzerhand in einem Waldstück weggeworfen! Also, Fundanzeige schreiben und das kleine Wesen erst einmal versorgen.

Oh, schon 12.30 Uhr, jetzt wurde doch glatt die Mittagspause verpaßt. Also, kurz ins Brot gebissen, es ist noch so viel zu tun und weiter geht es. Kaum wurde die Arbeit wieder aufgenommen, klingelt es auch erneut an der Pforte. Futteranlieferung! Jetzt heißt es Schubkarren herbei, LKW entladen helfen und das angelieferte Futter an Ort und Stelle räumen. Halt, Lieferschein abzeichnen nicht vergessen.

Um 13.00 Uhr ein Anruf von der Polizei. Freilaufender Hund an der Autobahn gesehen. ALARMSTUFE ROT!!! Um einer bevorstehenden, möglichen Katastrophe entgegenzuwirken, muß der gesichtete Hund eingefangen werden, egal wie. Nur gut, dass jetzt die ersten ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen ins Tierheim kommen, um zu helfen. Also PKW aus der Garage, Leine, Halsband, Fangstange und Leckerlis in den Wagen Alles Ok, auf geht`s.

Während die ehrenamtlichen Helfer verzweifelt versuchen, den streunenden Hund einzufangen, damit dieser nicht noch auf die Autobahn läuft und Schlimmes verursacht, kehren die ersten Spaziergänger im Tierheim ein, um mit Ihren vierbeinigen Freunden "Gassi" zu gehen.

Mit dem herrenlosen Hund ist alles noch mal gut gegangen. Er konnte eingefangen werden. Gegen 15.00 Uhr passiert der Tierschutz PKW das Tierheimgelände inklusive dem Streuner. Wie gut, dass noch ein Zwinger frei ist. Also, Körbchen mit frischen Decken in den Zwinger. Einen Napf voll Futter, frisches Wasser und zuletzt den Streuner. Nicht vergessen, Fundanzeige schreiben, Zwingerschild anbringen und eine Meldung an die Polizei. Das wäre erst einmal geschafft.

Um 16.00 Uhr ist dann endlich mal ein ruhiger Moment für eine kleine Pause. Noch einmal alles Revue passieren lassen, was bisher geschah, eine Tasse Kaffee und dann heißt es "Hundesorgenkinder" aus den Freiläufen holen und anleinen, bzw. kränkelnde Katzen in die Transportboxen und ab zum Tierarzt.

Ach ja, der Tierarzt. Es vergeht fast kein Tag, an dem wir ihn nicht in Anspruch nehmen müssen. Die Kosten fressen uns noch auf. Unserem Schäferhund Filou musste ein Ohr amputiert werden, der Rottweiler-Hündin Jenny wurden mehrere Tumore entfernt, eine kleine Fundkatze kam um eine Schwanzamputation nicht herum, sie wäre an den Folgen der Entzündung jämmerlich zugrunde gegangen, unserem Kater Rufus kann leider nicht mehr geholfen werden! Ein bösartiger Tumor an seinem Kopf ist so groß, dass er nicht mehr operiert werden kann. Die Einschläferung ist für ihn eine Erlösung. So könnte die Liste unserer "Sorgenkinder " noch weiter fortgesetzt werden.

Um 16.30 Uhr wird es Zeit, die Hunde, aus den Ausläufen zu holen und in die Zwinger zu bringen. Eine nicht immer ganz einfache Sache, bis schließlich wieder jeder Vierbeiner in seinem eigenen Reich sitzt. Gegen 17.00 Uhr heißt es Fütterungszeit. Endlich! Manche Hunde können es kaum noch erwarten, bis der Wagen, beladen mit Näpfen und der großen mit Futter gefüllten Wanne, durch den Hundegang geschoben wird. Nur gut, dass die Mahlzeit bereits vorher angerichtet wurde. So geht die Fütterung recht zügig voran.

Auch die Katzen bekommen zeitgleich ihre zweite Mahlzeit. Und die Unordnung, die sie tagsüber so angerichtet haben, wird wieder behoben. Letzte Medikamentengabe, Katzentoiletten noch mal säubern und der Tag kann langsam ausklingen.

Es ist nun 18.00 Uhr und nachdem alle Hunde versorgt sind und sich diese in ihre Körbchen zurückziehen, schließt sich die schwere Eisentür im Hundegang. Ein leises Wimmern oder Jaulen ist noch zu hören. Das sind die, die noch nicht lange hier sind, vielleicht der Streuner?!

Ein "ganz normaler" Arbeitstag in einem nordhessischen Tierheim geht zu Ende.

Die Tierpfleger fahren nach Hause, die "verlassenen Seelen" bleiben.